Josef Viktor Pausch

Das unbekannte österreichische Foto-Genie. Im Ausland gewürdigt, in Österreich kaum bekannt.


In Amerika und Japan wüssten Kunstinteressierte eine Antwort zu geben. Josef Pausch – das ist doch der Ausnahmekünstler, der bei den ganz Großen gelernt und assistiert hat und dann selbst groß geworden ist. 

Er war Kurator und Gründer der Abteilung Fotografie am Museum of Modern Art (MOMA, N.Y.)


Ein Oberösterreicher aus Micheldorf, geboren 1948, zu früh gestorben 2010 in Linz. Er lebte unter anderem in Mexiko und Amerika, seine Werke hängen unter anderem im Museo de Arte Moderne in Mexico City, im Museum of Art in Santa Fe, in der Bibliotheque Nationale in Paris,

im Metropolitan Museum in Tokyo.


Er war Assistent von John Coplan, dem Gründer des Magazins „Artforum“. Er arbeitete mit Horst P. Horst, einer der bedeutendsten Modefotografen des 20. Jahrhunderts, der für seine Portraits für die Modezeitschrift Vogue gefeiert wurde. Er arbeitete mit Robert Avedon, einer der ersten amerikanischen Fotokünstler, der Haute Couture nicht im Studio fotografierte sondern in alltäglichen Situationen inszenierte. Seine eigene Begabung und die Inspiration durch die großen Vorbilder verliehen Pausch ein grandioses Auge, das immer wie ein Objektiv funktionierte. Er sah den Alltag als Ansammlung von Bildern, Collagen, Inszenierungen. Was wie Manie wirken mochte, war ein Aufgehen in Kunst. 


Sein Werk wurde hierzulande jedoch kaum wahrgenommen. Dazu war es zu umfangreich, zu weitreichend, zu unzeitig. Das Geniale hat es oft schwer in der Rezeption, weil es keine Sprache für etwas gibt, was in die Zukunft weist. Das Auge von Pausch hat durch die Kamera in die Zukunft geblickt und in den 80er Jahren Fotostile und Welten geschaffen, die sich jetzt langsam dem Zeitgeist erschließen. Jetzt wo andere Fotografen dort angekommen sind, wo Pausch vor dreißig Jahren war, wird sein Werk zugänglich.


Im Rahmen seiner ersten fotografischen Einzelausstellung im Jahr 1983 in Salzburg wurde ihm „optische Intelligenz“ bescheinigt, seine Fotografien „weisen in gleichem Maße landschaftliche wie architektonische Komponenten auf und darüber hinaus auch eine deutliche Affinität zu Kunstformen der Avantgarde wie der Land-, Concept- und Minimal Art. Es ist eine leise Poesie des Sachlichen, die uns hier begegnet. Er hat nicht nur fotografiert. Er war exzellenter Grafiker, Zeichner, Maler und Reduktionist, wenn er überall den Punkt und den Strich gesehen und zum Ausdruck gebracht hat. Punkt und Strich, Urelemente jeder Gestaltung. In allem hatte er nicht nur die Fähigkeit, zu sehen und mit dem geschaffenen Bild Beziehung herzustellen, sondern auch die Fähigkeit zu selektieren, wegzulassen.

„Ausgeprägte Vorlieben für Details und die Dinge am Rande, für das Unscheinbare und Stille förderten bei Pausch den Auswahlprozess, wie Peter Baum feststellte. Pausch selbst nannte es „das Interesse an scheinbar Nebensächlichem und die Erhebung des Banalen in den Rang ausstellungswürdiger Bilder“.

Denn letztlich thematisierte er „das Naheliegende, nämlich das, was mich täglich umgibt“, meinte er, „das Triviale ist mir lieber. Damit kann ich eine Qualität zeigen, die meist übersehen wird.“

VITA